Liebe Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde Satow,
liebe Gäste aus unserer Partnergemeinde Fleckeby!
Der 3. Oktober ist ein Feiertag, den wir jedes Jahr ganz selbstverständlich in unserem Kalender finden.
Aber vielleicht ist gerade das ein guter Grund, sich zwischendurch einmal bewusst zu machen, was wir an diesem Tag eigentlich feiern – und wo wir heute, 36 Jahre nach der Wiedervereinigung, stehen.
Für viele jüngere Menschen ist ein geteiltes Deutschland nur noch aus Erzählungen, dem Geschichtsunterricht oder alten Bildern bekannt. Andere haben die DDR, die friedliche Revolution, den Mauerfall und die Jahre danach selbst erlebt.
Diese unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven gehören zu unserer gemeinsamen Geschichte – auch hier bei uns in Satow.
Und trotzdem zeigt sich immer wieder: Deutsche Einheit bedeutet nicht automatisch gesellschaftliche Einigkeit.
Das haben auch die vergangenen Landtagswahlen in Mecklenburg-Vorpommern deutlich gemacht. Die Ergebnisse – auch bei uns in Satow – sollten uns zum Nachdenken bringen. Nicht, weil es darum geht, einzelne Wahlentscheidungen zu bewerten oder Menschen aufgrund ihrer Wahlentscheidung vorschnell einzuordnen. Sondern weil hinter Wahlergebnissen immer auch Stimmungen, Erwartungen, Enttäuschungen und Hoffnungen stehen.
Wir sollten uns deshalb fragen: Wo geht Vertrauen verloren? Wo fühlen sich Menschen mit ihren Sorgen nicht mehr gehört? Und vielleicht auch: Hören wir einander eigentlich noch richtig zu?
Gerade auf kommunaler Ebene erleben wir jeden Tag, wie unterschiedlich die Vorstellungen davon sein können, was richtig und wichtig ist. Das ist Teil einer lebendigen Demokratie. Unterschiedliche Meinungen und Perspektiven sind keine Schwäche, sondern eine wichtige Grundlage für den Austausch und die gemeinsame Suche nach guten Lösungen.
Denn Demokratie lebt davon, dass Menschen ihre Sichtweisen einbringen, miteinander ins Gespräch kommen und bereit sind, auch andere Perspektiven kennenzulernen. Nicht jede Diskussion muss damit enden, dass alle derselben Meinung sind. Wichtig ist vielmehr, dass wir miteinander respektvoll im Gespräch bleiben, einander zuhören und den Austausch als Bereicherung verstehen.
Vielleicht ist genau das eine Aufgabe, die der Tag der Deutschen Einheit heute mit sich bringt: nicht nur zurückzuschauen auf das, was 1990 erreicht wurde, sondern auch darauf zu achten, was uns heute zusammenhält und wie wir unser gemeinsames Miteinander gestalten wollen.
Wie passend ist es deshalb, dass wir am 3. Oktober Gäste aus unserer Partnergemeinde Fleckeby bei uns in Satow begrüßen dürfen!
Die Partnerschaft zwischen Satow und Fleckeby besteht seit 1990 und ist damit eng mit der Geschichte der Deutschen Einheit verbunden. Aus Begegnungen zwischen Ost und West sind über die Jahre Bekanntschaften, gemeinsame Erlebnisse und Freundschaften entstanden. Und genau darin zeigt sich für mich ein ganz wichtiger Teil dessen, was Einheit ausmacht: dass aus unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven ein gemeinsames Miteinander entstehen kann.
Im Januar durften wir bereits unsere Freunde in Fleckeby besuchen und dort Gastfreundschaft und Verbundenheit erleben. Umso mehr freuen wir uns, dass wir nun – rund um den Tag der Deutschen Einheit am 3. Oktober – die Gelegenheit haben, unsere Gäste aus Fleckeby hier bei uns in der Gemeinde Satow willkommen zu heißen.
Auch in diesem Jahr möchten wir den Besuch nutzen, um miteinander ins Gespräch zu kommen, Erfahrungen und Gedanken auszutauschen und natürlich auch gemeinsam eine schöne Zeit zu verbringen.
Denn manchmal zeigt sich im Kleinen viel besser als in großen Worten, was Zusammenhalt eigentlich bedeutet.
36 Jahre Deutsche Einheit bedeuten schließlich nicht, dass alle Unterschiede verschwunden sind und verschwinden müssen. Sie bedeuten auch nicht, dass alle Menschen dieselben Erfahrungen gemacht haben oder heute dieselben Ansichten vertreten.
Einheit bedeutet deshalb auch nicht, einer Meinung zu sein. Einheit bedeutet, miteinander verbunden zu sein, sich auszutauschen, voneinander zu lernen und trotz unterschiedlicher Sichtweisen immer wieder das Gemeinsame zu suchen.
Das gilt für Deutschland genauso wie für Mecklenburg-Vorpommern – und letztlich auch für uns hier in Satow.
Vielleicht können wir den 3. Oktober deshalb nicht nur als freien Tag betrachten, sondern auch als Erinnerung daran, wie wertvoll Begegnung und Austausch sind: öfter miteinander statt übereinander zu reden, neugierig auf andere Perspektiven zu sein und bei allen Unterschieden das Gemeinsame nicht aus den Augen zu verlieren.
Wir freuen uns jedenfalls sehr darauf, diesen besonderen Tag gemeinsam mit unseren Gästen aus Fleckeby zu verbringen. Nach unserem Besuch im Januar ist es schön, nun unsere Freunde aus der Partnergemeinde bei uns in Satow begrüßen zu dürfen!
Ich wünsche uns allen einen schönen, offenen und vielleicht auch ein wenig nachdenklichen Tag der Deutschen Einheit – mit guten Gesprächen, neuen Begegnungen, unterschiedlichen Perspektiven und vor allem mit dem Gefühl, dass das Gemeinsame immer größer sein kann als das, was uns voneinander unterscheidet.
Herzlichst
Bettina de Oliveira-Arndt
Bürgermeisterin der Gemeinde Satow